Leben & Arbeiten mit Huskys in Schwedisch Lappland

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Als ich durch die Drehtür am Flughafen schritt, schauten plötzlich alle auf meine Füße und fingen an zu lachen oder ungläubig zu schauen.

Ich zuckte nur leicht mit den Schultern und musste ebenfalls grinsen.

Was ist passiert?

Rückblick: 25. Oktober 2024.

Ich sitze im T-Shirt und kurzer Hose auf meinem Sofa und schwitze. Mexiko hat gerade um die 30+ Grad mit mehr als 15 Sonnenstunden pro Tag.

Ich scrolle durch Facebook auf der Suche nach einem potenziell interessanten Job. (Facebook ist mein absolut bester Freund, wenn es darum geht, ausgefallene und besondere Jobs zu finden! Klare Empfehlung sich hier mal umzusehen oder durch seinen Feed zu schauen)

Ich bin jetzt seit ein paar Jahren hier und langsam reizt mich dann doch das kältere Klima wieder. Jeden Tag Sonne und 30 Grad sind zwar auch schön, allerdings geht es mir gerade ziemlich auf den Keks und ich möchte auch einfach mal wieder einen Pullover tragen.

Plötzlich taucht vor mir eine Anzeige auf:

Helferin in Schwedisch Lappland gesucht

Aufgaben waren unter anderem:

  • Vorbereiten und Begleiten der (Schneemobil)Touren, Schneeräumen,…
  • Versorgung der 12 Huskys ( füttern, Zwinger sauber, kuscheln!),
  • mithilfe beim Training der Hunde (wenn du magst lernst du dein eigenes Gespann zu fahren),
  • mithilfe im Haushalt wie putzen und kochen,
  • Betreuung der Gäste,
Hütte in Schwedisch Lappland
Blockhütte in Lappland

Ungefähr 3 Sekunden habe ich überlegt und dann sofort eine private E-Mail nach Lappland geschickt.

Am 27. Oktober 2024, also zwei Tage später, hatte ich meine Flüge für den 18.12. gebucht.

Ich freute mich wie ein Schneekönig! Endlich würde ich mal wieder Schnee sehen!

lappland

In einer kleinen Propellermaschine von Populair ging es von Stockholm nach Arvidsjaur.

Ankunft im Winter Wonderland

Eine viel zu lange Zeit später stand ich dann am Flughafen in Arvidsjaur in Schweden und befand mich in oben genannter Situation: die Leute lachten und deuteten immer wieder auf meine Schuhe.

Warum ?

Natürlich brauchte ich in all meinen Jahren in Mexiko keine Winterkleidung, noch nicht einmal einen dicken Pullover. Geschweige denn feste Schuhe.

Da stand ich also nun. In meinen Sandalen. Bei -25 Grad mit Schnee und Eis.

(Ich muss hier jedoch anmerken, dass ich zumindest echte Wollsocken anhatte und zumindest nicht fror.)

Nachdem ich ein paar Winterstiefel und eine Mütze bekommen hatte 🤣 fuhren wir nach Auktsjaur zu Wilderness Life. Hier verbrachte ich die nächsten 4 Monate.

Ich hatte eine unglaubliche Zeit, die zwischendurch immer mal wieder sehr anstrengend und herausfordernd gewesen ist. Jeden Tag waren wir von morgens um 8/9 bis nachts 22/23 Uhr am Arbeiten. Doch die vielen einzigartigen Momente haben alle Anstrengungen schnell vergessen lassen.

Hier sind ein paar Bilder, damit du weißt, was ich meine:

Arbeiten mit Huskys: typischer Alltag

Meist begann mein Tag gegen 8 Uhr mit der morgendlichen Begrüßung der Huskys. Nach ausführlichen Streichen- und Kuscheleinheiten!, säuberte ich die Außengehege, füllte das Wasser auf und kontrollierte das Stroh in den Boxen auf Feuchtigkeit. Bei Bedarf wurde es ausgetauscht oder bei steigender Kälte mehr hinzugegeben. Wenn es unter -15 Grad kalt war, dann haben die Hunde morgens eine warme „Suppe“ bekommen.

Wenn wir gleich morgens eine Schneemobiltour hatten, dann bereiteten wir die Maschinen vor. Benzin wurde überprüft und nachgefüllt, das Eis unter der Raupe wurde mit einem Holzhammer vorsichtig entfernt.

arbeiten mit huskys
Rechts an der Raupe sieht man ganz viel Eis, welches regelmäßig entfernt werden muss, damit die Raupe frei arbeiten kann

Anschließend gab es ein üppiges Frühstück.

Danach ging es endlich los mit einer Tour. Entweder mit dem Schneemobil, zur Elch-Safari, zur Schlittenhundefahrt (mit einem anderen Anbieter) oder einer anderen Tour.

Falls ihr Interesse an einem einzigartigen Winterurlaub habt, dann kann ich euch WildernessLife in Schwedisch Lappland wärmstens empfehlen. Hier ist die Website: https://www.wildernesslife.se

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Schneemobiltour mit Mittagessen im Lapplandstyle

Die Touren mit dem Schneemobil dauerten meisten bis 15 Uhr. An manchen Tagen hatten wir anschließend noch eine Tour oder wir haben uns kurz aufgewärmt und haben dann die Huskys für das Training vorbereitet. Sprich es gab nochmal eine dünne Suppe (warmes Wasser mit einer kleinen Handvoll Trockenfutter). Dann eine Ruhepause. Zwischenzeitlich haben wir dann den Schlitten aus der Scheune geholt, die Leinen richtig sortiert und hingelegt und anschließend den Hunden das Geschirr angezogen.

Anfangs war das eine ziemliche Herausforderung, weil ich erstmal lernen musste, wie es dem Hund richtig angezogen wird. Wenig hilfreich war es, dass dann die Hunde, sobald sie den Schlitten oder das Geschirr sahen, so richtig aufgedreht waren, laut jaulten und es kaum abwarten konnten, bis es endlich losging.

Jeder Hund wurde einzeln aus dem Gehege geführt (oder besser du wurdest vom Hund geführt :)) und an die entsprechende Position mit der Leine befestigt. Wenn alle Hunde angeleint sind, dann stellt sich der Musher hinten auf den Schlitten, drückt die Bremse und gibt das Startwort. Sobald die Hunde los liefen, waren sie ruhig. Mucksmäuschen still. Man hörte nur noch ihr Hecheln und das Knirschen des Schnees unter ihren Pfoten.

Hundeschlittenfahrt mit Huskys bei Nacht

Das Training mit den Hunden dauerte oft zwischen 6 und 8 Stunden. Die zurückgelegte Strecke war regelmäßig zwischen 40 und 60km. Nach dem Training gab es wieder eine Ruhepause und anschließend fütterten wir die Hunde. Am nächsten Tag gab es meistens einen Ruhetag oder eine kleine geführte Schneeschuhtour mit Gästen.

Wenn es keine weitern Touren gab oder die Hunde eine Pause hatten, dann haben wir es uns abends in der Grillkota gemütlich gemacht. Dort haben wir dann auch Rentier oder Elchburger gegessen, Musik gemacht und viel geredet.

Winter in Lappland
In der Grillkota verbrachten wir viele gemütliche Abende

Silvester im Winter Wonderland

Silvester 24/25 werde ich nicht so schnell vergessen. Die Polarlichter waren unglaublich schön und es erschien uns so als feierte die Natur den Beginn des neuen Jahres mit uns. Schaut selbst:

Polarlichter
Polarlichter
Polarlichter
Polarlichter
Polarlichter
Polarlichter

Wie geht man eigentlich zum Friseur, wenn man im Hinterland wohnt?

Gar nicht 😅.

Oder man lässt sich einfach die Haare von jemandem mit einer Schere schneiden, so wie ich das getan habe. Ich hatte da noch meine dicken gefilzten Haare und unter dem Helm haben sie immer so gedrückt. Also entschied ich mich kurzerhand für einen Kahlschnitt. Zumindest fast😆.

Erst wurden mir die Haare dort abgeschnitten, wo sie bereits nachgewachsen waren und dann nochmal entwirrt. Noch tagelang danach fielen mir die Haare aus…

Haare schneiden in Schweden
Da sehe ich so aus wie Edward mit den Scherenhänden.
Haare schneiden in Schweden
Links vorher und rechts nachher

Arbeiten mit Huskys: Fazit

Meine Zeit in Schweden war unglaublich und ich möchte sie nicht missen. Ich habe sehr viel Neues gelernt ( Schlittenhunde einspannen und ausspannen, auf die richtige Fütterung zu achten, mit ihnen fahren, auf die Hunde zu vertrauen, wie anstrengend es ist, durch den tiefen Schnee zu laufen, das -10 Grad gar nicht unbedingt kalt sein muss,…). Die Tage waren jedoch auch sehr lang (12-16 Stunden am Tag wach) und anstrengend.

Dennoch kann ich es jedem empfehlen, sich einmal in ein solches Erlebnis zu begeben. Bei diesem freundlichen schweizer Pärchen bin ich gewesen und einen Urlaub dort in Schwedisch Lappland mit einer HuskySchlittentour ist genau für dich, wenn dir Schnee, Kälte und wenig Tageslicht nichts ausmacht :)) Hier kommst du zum Anbieter: www.WildernessLife.se

Wann hast du das letzte mal (und vor allem wo) so richtig viel Schnee erlebt? Schreib’s mir gerne in die Kommentare!

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